Von der Werra an die Weichsel (3)

Der dritte Tag unserer Reise stand ganz im Zeichen der Shoah: Wir besuchten das Konzentrationslager Auschwitz. Von Krakau fährt man etwas mehr als eine Stunde, bis man die Stadt Oświęcim erreicht, welche die Deutschen „Auschwitz“ nannten. Es ist nicht leicht mit Gruppen eine Führung im Lagerkomplex zu bekommen, da der Andrang von Menschen aus der ganzen Welt sehr hoch ist. Unser Einlass war erst kurz nach Mittag, weshalb wir noch etwas Zeit am Morgen hatten. Wir nutzten diese für den Besuch einer besonderen Ausstellung unweit des Lagers. In einem Franzikanerkloster findet sich die Ausstellung des Werks von Marian Kołodziej (1921-2009), einem Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau (Häftlingsnummer 432).

IMG_20170530_114536973Foto: Thomas Faber

Nach dem Krieg arbeitete Marian Kołodziej als Bühnenbildner in Danzig und schwieg für Jahrzehnte über seine Erlebnisse. Erst im hohen Alter, nach einem Schlaganfall, brachen sich die Erinnerungen Bahn und er schuf ein gewaltiges Bilderwerk, in dem er seine Erlebnisse verarbeitete. Er musste zeichnen, um sein junges Ich aus seinem inneren Gefängnis zu befreien.

IMG_20170530_112546523 - KopieDer junge und der Alte Kołodziej zeichnen gemeinsam.  Foto: Thomas Faber

Kołodziej, der in Auschwitz seinen besten Freund verlor, wurde von seiner Begegnung mit Maximilian Kolbe geprägt, der für einen anderen Häftling sein Leben gab. Die Menschenwürde, die Kolbe in dieser Handlung bewies, ist eines der Themen, die der Künstler in seinem Werk verarbeitete.

Für die Schüler war diese Ausstellung und die Führung durch einen deutschsprachigen Mönch sehr bewegend. Das Schicksal von Marian Kołodziej wird in dieser Ausstellung greifbar. Seine Zeichnungen lassen den Zuschauer schaudern und zugleich die Stärke des Künstlers bewundern. Rückblickend war es gut, dass wir die Ausstellung vor dem eigentlichgen Lager besucht haben. Während das Lager durch die Touristen und das schöne Wetter stellenweise fast etwas steril und nüchtern wirkte, konnte man aus den Zeichnungen das Grauen lesen, das die Shoah ausmachte.

Nach einer kurzen Mittagspause im Franziskanerkloster fuhren wir nur wenige Kilometer in das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Das KZ unterteilt sich in das Stammlager, das aus steinernen Gebäuden besteht, dem Lager Birkenau mit seiner berüchtgten Rampe und dem Lager Monowitz, welches wir nicht besuchten (sowie 40 Nebenlagern). Auschwitz ist ein emotional ziemlich vielschichtiger Ort. Auf der einen Seite sieht man im Stammlager Teile der Hinterlassenschaften der unzähligen Opfer: Frauenhaare, Schuhe (auch viele von Kindern), Koffer, Bürsten, Töpfe. Beim Anblick dieser Dinge kommen die Schicksale der Toten ganz nah. Auf der anderen Seite sind die Räume für die Workshops in ehemaligen Lagergebäuden untergebracht, frisch renoviert mit Beamer und Schreibtischen. Die selben Gebäude, in denen vor über 70 Jahren tausende Menschen lebten, litten und starben. Dort zu arbeiten ist seltsam.

IMG_20170530_143304348 - KopieFoto: Thomas Faber

In der Frühzeit des Lagers wurde noch von jedem Häftling ein Foto gemacht. Später wurde dies wegen der großen Masse der Opfer nicht mehr getan. In einer Baracke geht man durch einen langen Gang mit einigen dieser Bilder, jedes mit Einlieferungs- und Sterbedatum. Die Portraits sind sehr intensiv. Manche Menschen schauen verängstigt, andere blicken ihren Peinigern mutig oder trotzig in die Augen.

Das Lager Birkenau ist von seinen Ausmaßen deutlich größer als das Stammlager. Hier wurden zu manchen Zeiten mehr als 1000 Menschen am Tag durch Gas ermordet. Der Tag, an dem wir dort waren, war warm und sonnig. Die Vögel zwitscherten und der Wind ließ die Blätter der Bäume rascheln. Es war ein absurder Kontrast zu dem, was an diesem Ort einst geschah.

IMG_20170530_161151286Gesprengtes Krematorium/ Gaskammer in Birkenau  Foto: Thomas Faber

Für die Schüler und auch uns Lehrkräfte war der Tag sehr intensiv und die Eindrücke werden uns sicher noch lange beschäftigen. Ein Besuch der Gedenkstätte lohnt sich in jedem Fall. Weitere Informationen finden sich hier.

 

Von der Werra an die Weichsel (2)

Mit etwas Verzögerung nehme ich den Bericht meiner ersten Kursfahrt nach Krakau wieder auf. Die Zeit ist knapp bemessen, denn das gemeinsame Frühstück naht. Eigentlich hätte ich diese Zeit noch gut zum Schlafen gebrauchen können, aber ein paar Notizen wollen gemacht werden. Lektion 1: Klassenfahrten und Schlafmangel gehören zusammen.

Den ersten vollen Tag in Krakau haben wir genutzt, um uns mit der Stadt vertraut zu machen. Wir wohnen etwas außerhalb des Stadtzentrums, das jedoch in 20 Minuten erreichbar ist. Je weiter man sich dem Zentrum und der Altstadt nähert, umso gepflegter werden die Häuser. In der Umgebung unseres Hostels stehen noch viele Häuser mit grauen Fassaden, wie man sie aus der DDR kennt. Das verleiht Krakau eine leicht verfallene Atmosphäre, was ich aber durchaus interessant finde.  Nachdem sich meine 30 Mitreisenden durch die 3 Toiletten und 3 Duschen gearbeitet hatten,  zogen wir los, um einen lokalen Becker mit unserer Verköstigung zu beauftragen. Wir kamen unangemeldet und haben den kleinen Laden ziemlich durcheinander gebracht.

IMG_20170529_115709090Foto: Thomas Faber

Nach einer freundlichen Begrüßung in der polnischen Partnerschule, bei der uns der Direktor persönlich in Empfang nahm, führte uns eine deutschsprachige Reiseleiterin durch die malerische Altstadt. Keine Stadt war länger polnische Hauptstadt als Krakau und dies hat seine Spuren hinterlassen, genau wie die über einhundertjährige Fremdherrschaft durch die Habsburger, die deutsche Besatzung und die Zeit des Sozialismus. Lektion 2: Krakau ist ein Paradies für Geschichtsinterssierte. Für unsere Schüler mit Leistungskurs Geschichte gab es also an jeder Ecke etwas zu entdecken.

Natürlich sind wir nicht zum Urlaub in Krakau. Schwerpunkt der Reise ist die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und der jüdischen Geschichte. Als Vorbereitung für die anstehenden Besuche in Auschwitz-Birkenau und dem alten jüdischen Viertel Krakaus haben die deutschen und polnischen Schüler Arbeitsgruppen gebildet, in denen sie verschiedenen Themenfelder bearbeiten werden.

IMG_20170529_085336534.jpgFoto: Thomas Faber

Es war toll zu sehen, wie schnell die Schüler zueinander gefunden haben. Die Scheu des ersten Aufeinandertreffens ist in kürzester Zeit verflogen und inzwischen sind die Schüler zu einer großen Gruppe verschmolzen. Ich bin sehr gespannt, zu welchen Ergebnissen die Schüler am Ende des Projektes kommen werden. Lektion 3: Persönliche Begegnungen überwinden Vorurteile schneller als alles Andere.

Von der Werra an die Weichsel (1)

Einige Wochen sind vergangen seit meinem letzten Beitrag von drüben, wo die Blumen blühn. Der Frühling ist eingekehrt und hat die karge Landschaft in ein grünes Kleid gehüllt. Es ist warm geworden und in der Schule steht die heiße Phase der Projekte vor der Tür. Während sich so manche Klasse auf Wandertag begibt, bin ich mit 10 Schülern aus Thüringen und 16 aus Hessen nach Krakau aufgebrochen. Dort, in der alten Königsstadt an der Weichsel, werden wir gemeinsam mit 10 polnischen Schülern eine Woche verbringen. Wir werden die Geheimnisse der Stadt erkunden, die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besuchen und uns mit dem jüdischen Leben und der jüdischen Geschichte dieser alten Siedlung vertraut machen.

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Foto: Thomas Faber

Am ersten Tag galt es zunächst etwas mehr als 700 Kilometer Asphalt zu überwinden. Hinter Sachsen präsentiert sich Polen als flaches, offenes Land mit Wäldern, Wiesen und blühenden Rapsfeldern. Die Fahrt verlief ohne große Probleme, wenn man davon absieht, dass sich eine Schülerin noch vor der sächsischen Grenze ihr Frühstück durch den Kopf gehen ließ, zum Leidwesen der restlichen Mitreisenden. Am Hostel wurden wir schon von den polnischen Schülern und Lehrern begrüßt. Der Empfang war sehr herzlich und die Schüler haben schnell Kontakt untereinander aufgenommen. Nach dem Abendessen haben die polnischen Schüler unsere Schützlinge zu einer Stadterkundung entführt. Ein bisschen wäre ich selbst gern nocheinmal Schüler gewesen und hätte mich in dieses Abenteuer gestürzt, aber wir Kollegen haben die Zeit nicht ungenutzt gelassen und uns bei einem frisch gezapften polnischen Bier etwas besser kennengelernt. Jetzt sind alle müde, aber die Spannung wächst. Morgen werden wir die Stadt genauer unter die Lupe nehmen.

Long live Rock’n’Roll

Mit Chuck Berry ist einer der Großen des Rock’n’Roll abgetreten.  Bis fast zuletzt stand er auf der Bühne, musste teilweise vor Erschöpfung von selbiger getragen werden. Jetzt ist er im Alter von 90 Jahren gestorben. Seine Lieder und Texte sind heute Klassiker des Genres.

Wer nochmal reinhören möchte: Hier ein Konzert von 1972.

Ein Gedanke zu Nietzsche und Europa

Wenn man an Nietzsche denkt, dann denkt man an den Übermenschen und dieses Wort ist unter den Deutschen etwas belastet. Schnell kommen Assoziationen mit den faschistischen Irrwegen der deutschen Geschichte auf. Tatsächlich haben sich die Nazis alle Mühe gegeben, Nietzsche für ihre Zwecke zu missbrauchen. Mit der Realität hat dies freilich wenig zu tun. Nationalismus und Antisemitismus waren Nietzsche fremd, was sich an verschiedenen Stellen seines Werkes zeigt. In Jenseits von Gut und Böse aus dem Jahr 1886 bin ich auf folgende Stelle gestoßen (Aphorismus 256), die, obwohl aus dem vorletzten Jahrhundert stammend, erstaunlich aktuell klingt.

„Dank der krankhaften Entfremdung, welche der Nationalitäts-Wahnsinn zwischen den Völkern Europas gelegt hat und noch legt, dank ebenfalls den Politikern des kurzen Blicks und der raschen Hand, die heute mit seiner Hilfe obenauf sind und gar nicht ahnen, wie sehr die auseinanderlösende Politik, welche sie treiben, notwendig eine Zwischenakts-Politik sein kann – dank alledem und manchem heute ganz Unaussprechbaren werden jetzt die unzweideutigsten Anzeichen übersehn oder willkürlich und lügenhaft umgedeutet, in denen sich ausspricht, dass Europa eins werden will. […] Europa ist es, das eine Europa, dessen Seele sich durch ihre vielfältige und ungestüme Kunst hinaus-, hinaufdrängt und -sehnt – wohin? In ein neues Licht? Nach einer neuen Sonne?“

Nietzsche lebte in einer anderen Zeit. Die europäische Gemeinschaft hat für eine lange Epoche des Friedens in Europa gesorgt. Nun aber, da die Gräben zwischen den Staaten wieder deutlicher aufbrechen, können uns Nietzsches Worte eine Mahnung sein, das Errungene nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen und die Vision eines besseren Europas nicht aus den Augen zu verlieren.

Fritz Bauer – Kampf gegen das Schweigen

Fritz Bauer, geboren am 16. Juli 1903 in Stuttgart, gestorben am 1. Juli 1968 in Frankfurt am Main, war die treibende Kraft hinter der juristischen Aufarbeitung der Shoah in der Bundesrepublik Deutschland. Als Generalstaatsanwalt in Hessen war er maßgäblich an den Frankfurter Auschwitzprozessen beteiligt. Außerdem wirkte er mit an der Rehabilitierung der Widerstandskämpfer des 20. Juli und an der Verhaftung Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst.

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                                                             Fritz Bauer  (Bild: gemeinfrei)

In einer Zeit, in der die Mehrheit der Deutschen den Mantel des Schweigens über die Verbrechen der NS-Zeit legen wollte, machten sich Bauer und seine Mitarbeiter an deren Aufarbeitung. Die Widerstände waren nicht gering, denn viele Funktionsträger in der BRD waren selbst belastet und hatten kein Interesse daran, dass die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihre eigenen Verfehlungen schwenken könnte.

In einer Zeit, in der reaktionäre Kräfte versuchen, die Erinnerung an das Geschehene zu verzerren, ist es angebracht, an die mutige Arbeit von Fritz Bauer zu erinnern. Es mag nicht leicht sein, der Wahrheit ins Auge zu sehen, aber ich denke, es gibt keine Alternative dazu. Aus der Geschichte lernen, damit etwas Ähnliches nicht mehr geschehen möge, das ist das Ziel.

Zum Schaffen von Fritz Bauer gibt es übrigens zwei recht aktuelle und empfehlenswerte Spielfilme: Im Labyrinth des Schweigens (2014) und Der Staat gegen Fritz Bauer (2015).

Wer weniger Interesse an der Kulturindustrie hat, dem empfehle ich folgendes Interview mit Fritz Bauer aus dem Jahr 1964. So manche Überlegung erscheint über 50 Jahr später noch genauso aktuell wie damals.

Fritz Bauer im Frankfurter Kellerklub

Camphill – Von Freiheit und Gemeinschaft

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(Bild: Thomas Faber)

Einmal im Jahr, wenn die Tage kurz sind, packe ich meinen Koffer und reise nach Schottland, in jenes hügelige Land im Norden Britanniens mit seinen grün-braunen Wiesen, steilen Küsten und seinem ständig wechselnden Wetter. Die Rauheit des Landes spiegelt sich in seinen Bewohnern wieder, deren trockene Art nicht die Herzlichkeit verbergen kann, mit der sie ihren Gästen begegnen. Zumindest ist das meine Erfahrung. Diese gefühlte Weltoffenheit der Schotten spiegelte sich auch letztes Jahr in der Entscheidung über den Brexit wieder, in dem die Schotten mehrheitlich für einen Verbleib in der Europäischen Union votierten.

Ziel meiner Reise war auch diesmal wieder eine der 11 Camphill-Gemeinschaften, in der ein alter Freund von mir lebt. Camphill bietet einen Lebensort für Menschen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung, die ihr Leben alleine nicht meistern könnten. Sie werden begleitet und unterstützt von Menschen, die sich aus anderen Gründen für das Leben in Gemeinschaft entschieden haben. Darunter finden sich viele junge Freiwillige, die z.B. nach dem Abitur für ein Jahr in die Gemeinschaft kommen, um ihren Beitrag zu leisten und Erfahrungen zu sammeln. Die erste Camphill-Einrichtung wurde 1940 von dem jüdischen Kinderarzt Karl König, der vor den Nazis nach Schottland geflüchtet war, in Aberdeen gegründet.

Die Gemeinschaft betreibt Landwirtschaft, eine Bäckerei, eine Käserei und ein Café. Wenn ich den Begriff „Gemeinschaft“ benutze, könnte man schnell an eine Sekte oder religiöse Gemeinschaft denken, das ist hier aber nicht der Fall. Zwar sind bestimmte Aspekte vom Denken Rudolf Steiners beeinflusst, aber es wird niemand gezwungen Anthroposoph zu werden. Auf den sonntäglichen Zusammenkünften, die immer von verschiedenen Bewohnern geleitet werden, kommen ganz unterschiedliche Ideen zur Sprache, die teilweise von ganz verschiedenen religiösen Aspekten, Lebenserfahrungen oder einem guten Buch inspiriert sind, das der oder die Leitende gerade gelesen hat.

Das Besondere an dieser Gemeinschaft ist der soziale Zusammenhalt. Die Bewohner bemühen sich, Hierarchien klein zu halten. Entscheidungen werden in verantwortlichen Gruppen getroffen. Jeder hat die Möglichkeit, sich als tätiges und nützliches Mitglied der Gemeinschaft zu erfahren. Was das konkret bedeutet, kann ich an einem Beispiel von dieser Woche festmachen. John, 30 Jahre alt und ein Bewohner der Gemeinschaft mit besonderer Hilfsbedürftigkeit, hatte morgens festgestellt, dass es auf den Tag genau sechs Jahre her sei, dass er in die Gemeinschaft gekommen war. Er äußerte den Wunsch, dies gebührend zu feiern. Am Frühstückstisch wurden die Aufgaben verteilt und die Party konnte pünktlich um 20 Uhr nach dem Abendessen beginnen. Ein Mitbewohner hatte sogar eine Lichtanlage herbeigeschafft. John hielt eine kurze Ansprache zur Begrüßung und es wurde ein schwungvoller Abend mit Tanz und mehreren Gesangseinlagen. In jeder dieser populären Castingshows wäre der Sänger in der Luft zerrissen worden, aber hier spielte das keine Rolle. Es musste nicht jeder Ton sitzen. Die Stimmung war so fröhlich und ausgelassen, wie ich sie nur selten auf Feiern erlebt habe. Die meisten studentischen Partys sind im Vergleich träge Sitzveranstaltungen.

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(Bild: Thomas Faber)

Mit ihren verschiedenen Aufgabenbereichen, von Putzarbeiten über Kinderbetreuung, hin zu handwerklichen Aufgaben, bietet Camphill seinen Bewohnern viele verschiedene Möglichkeiten sich einzubringen, die besonders den hilfsbedürftigen Bewohnern in anderen Einrichtungen, wie Heimen, verwehrt bleiben würden. Es ist natürlich ein Lebensentwurf, auf den man sich einlassen muss. Private Freizeit allein ist eher Mangelware, vor allem, wenn man als betreuende Kraft Verantwortung für ein Haus übernehmen muss. Leben in einer Camphill Gemeinschaft ist etwas anderes, als einen Beruf auszuüben. Arbeit und Privates sind nicht streng getrennt.

Was ich als Lehrer besonders schätze, ist die Arbeit auf der Farm. Im Schulalltag sieht man die Ergebnisse seiner Arbeit doch recht verzögert. Der Lernerfolg der Schüler wird erst mit der Zeit sichtbar. Wenn man einen Stall ausmistet oder die Kühe melkt, sieht man den Erfolg unmittelbar und dies ist ein herrlich befriedigendes Gefühl. Ich empfehle dringend Handschuhe zu tragen, denn die zarten Lehrerhände, die nur Kreide kennen, neigen angesichts der rauen Mistgabel schnell zur Blasenbildung.

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(Bild: Thomas Faber)

Wer Interesse am Leben in einer Camphill-Gemeinschaft hat, kann sich online schlau machen. Freiwillige Helfer auf Zeit werden immer gesucht.

http://camphill.net/    (Camphill Worldwide)

http://www.camphillscotland.org.uk/     (Camphill Schottland)

http://www.camphill.de/    (Camphill Deutschland)